Ex libris Carl Friedrich Moritz Hagen (CFM gen. Fritz Hagen s.u.)
Michael Wilde, Reiseapotheker
des Kurfürsten Georg Wilhelm (1595 - 1640), hatte sich um das Privileg bemüht, auf der Schloßfreiheit eine zweite Apotheke in Königsberg zu eröffnen. Da bereits zwei Jahre zuvor an der Burgfreiheit eine Apotheke entstanden war, wurde Wilde lediglich das Privileg bewilligt, 1640 auf der Schoßfreiheit einen Gewürz- und Materialhandel zu betreiben. Erst nach dem Tode von Clemens Boltz, ebenfalls Reiseapotheker Georg Wilhelms, wurde vom nachfolgenden Kurfürsten Friedrich Wilhelm (1620 - 1688) dem Wunsch der Kürfürstin Georg Wilhelms entsprochen, Michael Wilde das erbliche Privileg eines Hofapothekers zu verleihen. Wilde kaufte 1650 entlang der Junkerstraße, Ecke der Kehrwiedergasse (der späteren Theaterstraße) bis zum Katzbach, ein großes Gelände, auf dem er einen Neubau errichtete, der 1654 eingeweiht wurde. Andere Quellen gehen davon aus, dass der Bau bereits seit Anfang des 17.Jahrhunderts
bestand und nur Umbauten erfolgten (Zeitungsaufsätze beim Verfasser).
Das "Laboratorium pharmacopolii aulici Regimontani "um 1775 und Wohnzimmer in der Hofapotheke
Bereits 1775 nahm K.G. Hagen, wieder Kontakt zur Universität auf und erhielt über die Ausarbeitung
einer Dissertation die Lehrbefugnis als Professio Botanici et materiae medicae. Er heiratete 1784 Johanna Marie Rabe (1764-1829), Tochter des verstorbenen Hoffiscals Rabe.
Nachdem die verwitwete Mutter Hagens in das Haus einer verheirateten
Tochter zog, entschloss sich das Ehepaar Hagen zum Umbau der Hofapotheke (Mühlpfort, S.59) Wer als Gast, Arzt oder erwarteter Kunde in die Hofapotheke eintrat, blickte zunächst auf große Abbildungen, die u.a. Galen, Hippokrates, und Paracelsus darstellten. Die Medikamentenausgabe erfolgte durch ein Fensterchen, an das von der Straße her angeklopft wurde. (Mühlpfort, S.59). Neben Medikamenten hielt die Apotheke auch vier Spezialitäten vor: &dbquo;Chokolade, Gesundheitssyrup, Morcellen (Zuckerplätzchen, von den Kindern hergestellt) und Räucherkerzen“ (Mühlpfort, S.61). Im
Erdgeschoß, in einem Durchgangszimmer zwischen Wohnung und Offizin, richtete Hagen seine Studierstube ein. Von dieser &dbquo;Vorstube“ konnte er, am Schreibtisch sitzend, die Arbeiten in der Apotheke überwachen und war auch jederzeit ansprechbar. Im Erdgeschoß war zugleich die Wohnung der Familie. Hier arbeitete Hagen, hier lernten die Kinder und hier aß die Familie mit allen Beschäftigten der Apotheke
(Mühlpfort, S. 61). Zum Obergeschoß mit den Kollegräumen, in denen Hagen für einige Jahrzehnte den theoretischen Unterricht für Studenten abhielt, führte eine geschnitzte Treppe (Abb.). Das Haus besaß auch eine mit Wohnungen ausgebaute Mansarde. Hier wohnte bis zu ihrem Tode die Großmutter von Hagens Frau, der Ehefrau des Geheimrats v. Salis, ein vertrauter Freund Hagens (Mühlpfort, S.59). Die Zuckerdose auf dem Tisch,
wie ein KPM-Kakaoservice erhielt die Familie von Königin Luise als Dank für den Unterricht der Kronprinzen überreicht.
Dieses emsige Treiben in Kälte und Halbdunkel mit der unmenschlichen Behandlung der Lehrlinge war aus heutiger Sicht &dbquo;ein traurig konserviertes Erbstück aus mittelalterlicher Zeit. Sie erhielt sich bis zur Franzosenzeit, die in allen Verhältnissen viele morsch gewordene Formen zu Fall brachte" (Hagen- Chronik S.84).
1816 übernahm sein Sohn Johann Friedrich (1788-1865) die Hofapotheke, gefolgt von seinem Sohn Carl Friedrich Moritz (Fritz) Hagen (1824-1906 ), auf Arzneimittelfläschchen auch CFM Hagen, vergl. Abb. unten), der dieselbe ab 1850 leitete. Sein Sohn wiederum, Johann Carl Friedrich (Fritz) Hagen (1858 – 1922), letzter Hofapotheker Hagen, übernahm die Hofapotheke 1891 als gleichzeitiger Gerichtsassessor. Seine Frau verkaufte die Apotheke 1936 an Hofapotheker Kossak, der sie bereits 1 Jahr später an Alois Wimmer abgab für die letzten Jahre des Bestehens( Lit.s.u.). Ausführlich werden die Hofapotheker aufgeführt in über den ersten Hofapotheker Friedrich L. Hagen:









Hofapotheke 1912 vor dem Abriß 1913 Beachten Sie auch auf der Seite der Hofapotheke die Grabplatten an der Altstädter Kirche










Literatur
1. Valentin, H.: Zum 300jähringe Bestehen der Hofapotheke in Königsberg/Pr. Deutsche Apotheker-Zeitung 55.Jahrgang Nr. 45 23.Oktober 1940 Titelblatt
2. Mühlpfort, H.R.: Königsberger Leben im Rokoko. Bedeutende Zeitgenossen Kants. In: Schriften der Herder Bibliothek Bd 7 (1981) 53-72
3. Hagen, S.: Dreihundert Jahre Hagen`sche Familiengeschichte. Familienchronik. Selbstverlag. 2 Bände, 1838 (in Prussia Sammlung Trunz Universität Münster und im Archiv der Franz Neumann-Stiftung)
4. Ermakowa, N.: K.G. Hagen und die Universität von Königsberg, Dissertation Staatl. Universität Königsberg, 2000 (Archiv der Franz Neumann-Stiftung)
5. Neumann-Redlin von Meding,E.; v.Meding, J.: Karl Gottfried Hagen und die wissenschaftliche Pharmazie an der Albertus-Universität in Königsberg/Preußen Gesch.der Pharmazie; DAZ-Beilage; Jg.51(1999) 53-59
6. Neumann-Redlin von Meding, E.: Immanuel Kant und der Naturwissenschaftler Karl Gottfried Hagen. In: Preußenland. Mitteilungen der Historischen Kommission für Ost- und Westpreußische Landesforschung und aus den Archiven der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Jg. 42, Nr. 2 (2004) S. 40 – 57Apothekerglas aus der Hofapotheke: "1640 privil. Hofapotheke C.Fr.M. Hagen
Königsberg, Junkerstr. 6" - Geschenk von Dr. Heinrich Lange, Archäologe Berlin.
Ein weiteres Apothekerfläschchen stammt dankenswerter Weise mit identsicher Aufschrift von Gerfried Horst, 1. Vorsitzender des Vereins "Freunde Kants und Königsbergs".